sprich.lauter

Was ist meine Berufung?

Einmal nahm ich einen Freund im Auto mit und wir begannen uns über das Leben zu unterhalten. „Ich weiß nicht, wozu Gott mich berufen hat“, gestand er und bat mich dafür zu beten.
„Warum?“, fragte ich „Ich weiß schon, was Jesus von dir möchte!“
„Du weißt es schon?“, fragte er aufgeregt. „Also was ist es denn? Was ist meine Berufung?“
Ich machte eine Pause und genoss die Spannung. Trommelwirbel. Die Streicher stimmten ihre Instrumente. Mein Freund hielt den Atem an …
„Du bist dazu berufen“, sagte ich langsam, „ein Lobpreisleiter zu sein …“
Er sah zufrieden aus, wirklich sehr zufrieden, also machte ich weiter. „… aber nicht unbedingt mit der Gitarre in der Hand.“
„Okay …“, murmelte er.
„Du bist dazu berufen dich mit einer komischen alten Frau aus deiner Straße anzufreunden …“
Diese Aussicht schien ihm weniger angenehm zu sein.
„Du bist dazu berufen, den Hungrigen Essen zu geben und dein Leben für die Armen zu leben …“
Jetzt sah er wirklich besorgt aus.
„… und zu Fremden gastfreundlich zu sein, die einfach in die Stadt kommen und einen Platz zum Pennen brauchen.“
Bestürzung.
„Und zu fasten.“
Jetzt wurde er langsam wütend.
„Und so lange und hart zu beten, dass du weder Worte noch Tränen übrig hast.“
Es gab kein Zurück mehr.
„Du bist dazu berufen“, fuhr ich fort, „Menschen, die es interessiert, die Gute Nachricht von Jesus zu predigen und auch ein paar von denen, die es nicht interessiert. Du bist dazu berufen, für Jesus überallhin zu gehen, egal wann und egal wohin und nie damit aufzuhören. Du bist dazu berufen, die Leute zu lieben, die keiner lieb hat und ihnen zu vergeben, wenn sie dich wie Dreck behandeln oder schlimmer. Mach deine Arbeit, so gut du eben kannst, ohne über deinen Chef zu lästern oder dich über deine Kollegen zu beschweren. Du bist dazu berufen, für die Kranken zu beten und wenn sie geheilt werden, die Nacht mit ihnen durchzutanzen. Und wenn sie nicht geheilt werden, sollst du mit ihnen weinen und sie noch mehr lieben.“
Ich riskierte einen Blick und war erleichtert zu sehen, dass er nicht mehr wütend war.
„Du bist dazu berufen, deine Eltern zu ehren, für deine Vorgesetzten zu beten, die Bibel zu lesen und auf viele Partys zu gehen. Sei zu jeder Gelegenheit ein Friedensstifter: bei der Prügelei im Nachtbus und wenn in der Gemeinde getratscht wird. Du bist dazu berufen, Müll von der Straße aufzuheben, auch wenn es keiner sieht, den Klositz sauber zu machen und den alten Kaugummi unterm Tisch zu entfernen. Und früher bei Veranstaltungen zu erscheinen, um Stühle zu stellen.“
Inzwischen lächelte er.
„Du bist dazu berufen, Leute zu Jüngern zu machen und ihnen beizubringen, Jesus in allem gehorsam zu sein. Vergiss nicht, ihnen zu vergeben, wenn sie sündigen. Denn das werden sie. Deine Mission ist es, sie zu taufen, und böse Geister auszutreiben. Du bist dazu berufen, die Traurigen zu trösten, wenn sie dir begegnen und du wirst ihnen begegnen, wohin du auch gehst. Und Gefangene zu besuchen. Und Kranke. Und …“
„Ja, ja“, sagte er gutmütig. Er versuchte mich zum Schweigen zu bringen, aber ich war nicht mehr zu stoppen und wusste, dass er nicht aussteigen konnte, weil ich ja der Fahrer war.
„Du bist dazu berufen“, fuhr ich entschlossen fort, „mehr zuzuhören, als zu reden, mit Ohren und Augen.“
Er schüttelte den Kopf mit gespielter Verzweiflung.
Ich fuhr fort: „Du bist berufen, ohne Murren dieselben Aufgaben immer wieder zu erledigen. Dazu, Fair-Trade-Kaffee zu kaufen und deine Flaschen zu recyceln. Und vergiss nicht Fremden anonyme Geschenke vor die Tür zu stellen.“
Inzwischen lachten wir beide lauthals und mir gingen die Berufungen aus: „und wenn du damit fertig bist“, grinste ich und bohrte ihm bei jeder Silbe den Finger in die Rippen, „kannst du wiederkommen und wir beten ein bisschen über Phase 2.“
[Quelle: "The Vision" by Pete Greig]

19.4.08 23:29

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Jay (26.9.12 23:50)
danke dass du das hochgeladen hast, ich war grade dabei es abzutippen, weil ich das morgen in der gemeinde vorlesen will, aber mein abfotografieren war leider nicht sehr erfolgreich...danke dass du mir die mühe erspart hast! und mögest du deine berufung leben!

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